Gefühltes-Gedachtes-Gelebtes . Texte von Anne

Neben den Liedern auf der CD „Räderwerk“ schreibe ich phasenweise Tagebuch und immer wieder kurze Texte, kleine Poesie.

Manches wurde und wird einmal ein Text für ein Lied, anderes bleibt unvertont. Bei unseren Konzerten lese ich zwischen den Musiktiteln gerne das eine oder andere vor.

Wagemut

Wo finde ich mich wieder?
Irritationen ohnegleichen
Erschütterungen die mich rütteln
Hab ich mir etwas vorgemacht?
Hab immer gedacht: mein Pfad stimmt
Ich glaube schon, dass ich da bin wo ich sein will

Es tut bloß so weh
Mich auszuhalten
Mit Fragen, mit Zweifeln
Mit Wut über ungenutzte Chancen
Hatte ich welche?
Habe sie wohl nicht gesehen

Was sehe ich denn jetzt gerade?
Meine Lebensspur erscheint mir vage
Mein roter Faden zerrissen
Wieder Illusionen die wie Seifenblasen zerplatzen
Ich bin zurückgeworfen in ein Gewirr von Fragen
Auf die ich noch keine Antworten hab

Worte die mich retten sollen
Einfach aufschreiben diese Worte
Damit ich was tue

Gegen die Hilflosigkeit die ich in mir fühle
Anschreiben
Die Tätigkeit des Schreibens als Handeln begreifen
Gegen meine Handlungsunfähigkeit
Anschreiben
Um dieser etwas entgegen zu setzen
Tinte Seiten Worte verbrauchen
Schreiben gebrauche ich
Um nicht zu verschwinden
Schreiben
Um mich zu entleeren
Meinen Kopf frei machen
Mich lüften
Damit Raum sich in mir ausbreiten kann

Einfach nur leer werden
Mich nicht mit Wirrwarr stopfen
Verstopfung wieder in Fluss bringen
Mich ins Fließen bringen tut Not

Ich habe zumindest die Freiheit
Vage zu sein
Gerade jetzt habe ich diese Chance
Gnade? -
Hört sich doch gar nicht so trostlos an!

Kommt wohl auf meinen Blickwinkel an
Ich habe ja doch noch die Wahl:
Zu verschwinden
Oder
Mich im Vagen zu begreifen

Also gut
Ich wage es!
Immerhin: ich schreibe
Seidenfäden

Tränen wie Seidenfäden
Zeigst Du mir
Ich wage kaum
Dich an zu sehen
Weil ich Angst hab
Dass dann dieser Augenblick
So fremder Nähe
Verschwindet

Aus dem Fenster schauend
Fange ich mich wieder
Beim Anblick von Grün

Tränen wie Seidenfäden
Lautlos
Kann ich kaum ertragen
Wenn Leid so spürbar wird
Ich denke an Flucht
Und bleibe

Tränen wie Seidenfäden
Wie sie glitzern
Im Sonnenlicht
Welches Dich tröstet

Du dankst mir für mein Bleiben
Und gehst
Seelenrhythmusstörungen

Wenn es dunkel wird in meiner Seele
mache ich mir einen Kaffee
oder
wasche mir die Hände
besser noch: ich dusche
oder
ich gehe einfach wieder ins Bett
schlafe eine Runde
hell wird es meistens von alleine wieder -

Meine Intuition ist für mich wie ein Kompass
wenn mir die Orientierung verloren geht
Im Zweifelsfall frage ich nach dem Weg

Droht mir Erstarrung oder gar Panik
dann gibt mir mein Herzschlag meinen Rhythmus zurück
oder ich tanze – das hilft immer

Du sagst
dass der Atem uns mit dem Innen und Außen verbindet
Manchmal lasse ich das Außen aber gerne draußen
schließe die Tür
und warte
bis dieser Spuk vorüber geht

Meine innere Stimme sagt mir gerade
das es jetzt reicht
mit den Seelenrhythmusstörungen
Ent – Täuschung

Gedanken zerlaufen
Worte entleeren sich zu Fetzen
Haut reißt auf
Legt Wunden bloß

Schmerzhaftes Greifen
In Unfassbares

Herzklopfen rast

Zittern gebärt Tränenfluten
Hört der Sturm jemals auf?

Zerren an Seele
Weckt Scham
Die sich breit macht – überall

Verschlingende Feuersbrunst
Die brennt und brennt

Unerträgliches formiert
Eine Armada der Abwehr
Schluckt Sehnen weg

Misstrauen beißt Nähe

Wütendes Szenarium
Eines Augen – Blicks
Der Ent - Täuschung
Dunkelzauber

Dämmerung leckt meine Sinne
Ich lasse los vom letzten Zipfel Licht
Bäume wirken wie bizarre Gebilde
Wehmütig sage ich dem Tag Tschüss

Der Zauber der nahenden Dunkelheit
Fängt mich ein
Die Nachtfee hält mich in ihren Armen
Und wiegt mich in einen sanften Schlaf

Gerne kuschel ich mich
in ihr samtenes Laken
Nackt und bloß
Vertraue ich mich ihrer schützenden Macht an